IVZ vom 09.06.2020 von Anika Leimbrink

 

Matthias und Anja Jasper sind Schützenkönigspaar für zwei Jahre
– wegen der Corona-Pandemie

„Wären der Tradition gerne gefolgt“

 

 

Karnevalsprinzenpaar und Schützenkönigspaar,
geht das zusammen?

 

 

 

Und wie das geht. Denn das haben 2019 Anja und Matthias Jasper auf dem Dickenberg bewiesen. Und noch einen setzt das Ehepaar aus dem Ossenliet oben drauf – wenn auch nicht ganz freiwillig: Aufgrund der Corona-Pandemie behalten Jaspers ihr Schützenkönigsamt auch in 2020.

Weil es in der Familie eine gewisse Tradition hat, trat Matthias Jasper 1989 in den Schützenverein Dickenberg von 1902 e.V. ein. „Eltern, Nachbarn alle waren und sind im Schützenverein. Das wurde immer gelebt und zelebriert“, erklärt Jasper. Der Eintritt in den Karnevalsverein, KG Dickenberg e.V., folgte in 2012 zusammen mit Frau Anja. „Freunde von uns waren damals Prinzenpaar und haben uns mitgenommen“, erinnert sich Anja Jasper, wie es zu dem Vereinseintritt kam. Bis heute haben beide die Vereinszugehörigkeit keine Sekunde bereut.

Dann, in der Karnevalssession 2018/2019, genauer gesagt am Rosenmontag 2019, bat man Matthias Jasper das Amt des Karnevalsprinzen an. „Ich wurde dazu erwählt“, betont er, kann sich dabei aber das schelmische Grinsen nicht verkneifen. Gerne nahmen er und seine Frau Anja das Amt an, doch eine Sache wollte Matthias Jasper vorher noch in die Tat umsetzen. „Ich war schon viel länger im Schützenverein und dort noch nie König. Also habe ich mir gedacht, dass ich ja eigentlich erst Schützenkönig sein muss, bevor ich Karnevalsprinz werde“, erzählt Matthias Jasper.

Gesagt, getan. Jasper holte beim jährlichen Königsschießen im April 2019 „den Vogel runter“ und plötzlich waren er und seine Anja in doppelter hoheitlicher Mission für das Jahr 2019 unterwegs und genossen diese Zeit in vollen Zügen. Ob es das vereinseigene Schützenfest im Mai war, oder die Karnevalssession mit Herrensitzung, Weiberfastnacht, Karnevalsgala und Kinderkarneval. Jaspers hatten Spaß und Freude an ihren Aufgaben.

Tja und dann kam plötzlich Corona und sorgte für den totalen Stillstand in der Feste-Welt. „Wir hatten nach der Karnevalssession für uns gedacht, dass jetzt so zwei Wochen Pause ganz gut tun“, erinnert sich Anja Jasper. Aus den zwei Wochen Pause wurden mittlerweile mehrere Monate ohne geselliges Zusammensein und Feierlichkeiten. Schon sehr frühzeitig hätte der Schützenverein Dickenberg reagiert und die Veranstaltungen abgesagt. „Natürlich haben wir erst noch Hoffnungen gehabt. Aber jetzt nicht mehr“, sagt Matthias Jasper nüchtern.

So wurde nicht nur das Schützenfest auf dem Dickenberg abgesagt, auch das Kreisheimatschützenfest, zu dem Jaspers als stellvertretendes Schützenkönigspaar eingeladen gewesen wären, fällt aufgrund der Pandemie aus. Und natürlich auch das Königsschießen fand nicht statt.

So bleibt die Schützenkönigskette zunächst weiterhin in dem Besitz der Jaspers. „Mir wurde auch schon gesagt, dass ich mich ja freuen könne, weil ich jetzt zwei Mal Schützenkönig bin. Aber davon habe ich ja nichts“, sagt Matthias Jasper. Lieber wäre es beiden gewesen, dass sie die Tradition hätten fortführen können und das Amt wie gewohnt nach einem Jahr an das nächste Königspaar übergeben hätten.

Auch die Kranzniederlegung zu Ehren der Toten aus Kriegen am Ehrenmal, musste dieses Jahr in sehr kleinem Umfang stattfinden. Nur der erste und zweite Vorsitzende legten an dem Gedenktag einen Kranz nieder. Die Tradition wird gewahrt, wenn auch unter anderen Bedingungen. Schön sei das natürlich nicht, sagt Anja Jasper. Gerade solche und andere Traditionen werden in den Schützenvereinen gepflegt und gehören untrennbar zum Vereinsleben dazu.

Beiden ist bewusst, dass es ohne einen Impfstoff wohl so schnell nicht zu der Unbeschwertheit von Feierlichkeiten wie Schützenfest oder Karneval wieder kommen wird. Auch wenn beide den Umständen entsprechend für die aktuelle Situation und die damit verbundenen Schutzmaßnahmen Verständnis haben, fehlt etwas für Jaspers in diesem Jahr. Schließlich lieben sie gerade die Geselligkeit an solchen Veranstaltungen. „Da trifft man auch Menschen, die man vielleicht nur ein Mal im Jahr sieht“, sagt Anja Jasper über die Bedeutung des Schützenfestes. Beide aber wissen, dass diese Zeit auch vorübergeht und irgendwann wieder das Schützenfest vor der Tür steht.

Wohingegen Jaspers Tochter Sara in diesem Jahr zwei besondere Momente in ihrem Leben wohl nicht wiederholen kann: „Sie ist letzte Woche 18 geworden und hat dieses Jahr Abi gemacht. Die haben keinen Abiball, keine Mottowoche gehabt“, sagt Matthias Jasper. Und das sei noch viel schlimmer als der Ausfall des diesjährigen Schützenfestes, weil „man es nicht nachholen kann.“